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Der Certuskult ist die Organisation, in der sich die Priester und Anhängerschaft des Certus, Gott der Freiheit und der Feste (einige Strömungen schreiben ihm auch das Meer und das Glück als kontrollierte Aspekte zu), einer der sieben großen Götter Ferrums, der laut Legenden in Deum residiert, wiederfinden. Anderen Legenden und der Lehre des Kultes zufolge verlässt er diesen regelmäßig, um die Welt zu durchwandern und den Menschen seine Gaben weiterzugeben.

Lehre des Kultes Bearbeiten

Certus lehrt die Freude, die Festlichkeit, und die Freiheit. Seine Anhänger glauben daran, dass es die Geschenke des Certus sind, die dem Leben einen Sinn geben und dass diese allen Menschen und anderen Wesen zustehen, und versuchen sie zu verbreiten so gut sie können. Sie unterteilen viele Dinge mit der Zahl 9, der heiligen Zahl des Certus. Certuspriester arbeiten selten, und leben meist als Bettelmönche von dem, was ihnen gespendet und freiwillig überlassen wird.

Codex Bearbeiten

Der Codex des Certus umfasst die Neun Tugenden des Certus. Seine Einhaltung wird gerade aufgrund der Certusfreiheit recht streng überwacht, wiederholter Bruch der Tugenden führt zum Ausschluss aus dem Kult und der Brandmarkung als Krähe.

Tugenden Bearbeiten

Respekt der Freiheit - Deine Freiheit endet, wo die der anderen anfängt. Nimm nur, was freiwillig gegeben wird. Wenn etwas einen Preis hat, zahle ihn.

Streben nach Freiheit - Lasse dich nicht von weltlichen oder geistigen Fesseln binden. Setze andere von ihren Fesseln frei.

Ehrlichkeit - Betrug ist eine Schande. Sei stets so ehrlich, wie du kannst.

Neugierde - suche stets nach neuen Erfahrungen, Eindrücken, und Arten Certus Gaben wertzuschätzen.

Offenheit - Lasse deiner Meinung und Person freien Lauf. Zeige und sage der Welt, wer du bist, und was du denkst.

Seelsorge - Stelle sicher, dass du und andere in einer Verfassung sind um das Leben und die Gaben des Certus genießen zu können. Biete anderen Hilfe an, sollte ihre Seele derart erkrankt sein, dass ihnen dies nicht möglich ist.

Mäßigung - Kenne deine Grenzen. Genieße die Gaben des Certus, so viel du willst, aber setze dich nicht außer Stande, den Genuss noch zu spüren.

Anpassungsfähigkeit - Stemme dich nicht aus Prinzip gegen den Strom. Lasse deinem Geist die Freiheit, dich auf andere Gedanken einlassen zu können.

Vertrauen - Gebe anderen eine Gelegenheit, sich zu beweisen. Begegne ihnen mit Offenheit und Güte.

Konsequenzen des Codex Bearbeiten

In Folge dieses Codex sind Certuspriester grundpazifistisch eingestellt. Sie werden niemals von sich aus Hand an jemanden anlegen, und sich auch im Kampffall versuchen, Angriffen zu entziehen. Zudem lehnen sie den Konsum von Fleisch (Nicht Fisch) ab, verdammen ihn aber nicht. Ähnlich stehen sie auch dem Theater, als Unterform der Täuschung, gegenüber.

Neun Disziplinen Bearbeiten

Neben den neun Tugenden gibt es auch die neun Disziplinen, die die Hauptgaben des Certus repräsentieren: Glücksspiel, Liebesspiel, Musizieren, Singen und Legendenvortrag, Tanzen, Trinken, Reisen, Segeln und eine Unterform der Alchemie, die sich mit Rauschmitteln beschäftigt, mit Herstellung von Alkoholika, sowie der Herstellung von Mitteln die ungewollten Nebeneffekten von Certus' Gaben entgegenwirken - primär denen des Liebesspiels.

Tempel Bearbeiten

Klassische Tempel des Certus sind rar. In einigen wenigen, meist größeren Städten findet man Gebäude oder Strukturen (In Möwenfeste zum Beispiel ein gestrandetes Schiff), die dem Kult vermacht wurden, in denen ein Priester Certus auf die eine oder andere Weise huldigt, und für die Leute vor Ort aktiv geistlichen Beistand gibt. In Küstennähe, wo die Interpretation von Certus als Gott des Meeres verbreitet ist, und auch mehr Priester stationär leben, gibt es teilweise auch in Dörfern Hütten aus Strandgut und ähnlichem, mit einem Schrein- und einem Schlafraum. In allen Fällen löst der Tempel sich meist wieder auf, wenn der Priester stirbt oder wegzieht, es sei denn es ist ein zweiter Priester vor Ort, der diesen weiterführen kann und will.

Albatroshalle Bearbeiten

In der Baronie Certusstrand, oberhalb von Sturmtrutz liegt das Zentrum des Kultes. Ursprünglich die Burg der Herzöge von Seeblick, wurde sie vor Jahrhunderten zu Gunsten einer neuen Burg aufgegeben. Das alte Gebäude wurde dem Certuskult übereignet. In der Folge wuchs eine Tempelstadt um das Gebäude, in der Gläubige und einfache örtliche Bauern sich versammeln und für die Versorgung der Halle sorgen. Im ehemaligen Bergfried, dem heutigen Haupttempel des Certus, residiert der Albatrosfürst, Oberhaupt des Kultes, und hält eine obskure Mischung zwischen Gottesdiensten und Hofhaltungen ab. Zudem finden hier alljährlich die großen Wettstreite in den neun Disziplinen des Certus statt, wie auch, so möglich, der Wettstreit um den Posten des Albatrosfürsten.

Taubenpalast Bearbeiten

Der Tempel des Certus in der Hauptstadt ist der wohl älteste Certustempel. Er ist im Baustil vergangener Kulturen und Jahrtausende gehalten. Ein runder Säulengang umgibt eine Ansammlung von Neun Räumen, die - wenn auch recht frei interpretiert - die neun Disziplinen repräsentieren (So ist der Raum der Reise eine Herberge für Reisende, der Raum des Segelns eine Heißtherme), in der Mitte befindet sich ein Atrium, welches häufig für größere Feierlichkeiten genutzt wird. Der Tempel ist allerdings in einem relativ bemitleidenswerten Zustand und trägt seinen Namen leider zu Recht, da mit der Ehrung der Disziplinen und der Verwaltung der Schänke, Herberge und des Bordells wenig Zeit für mehr als die nötigste Reinigung und Instandhaltung gerade des Säulenganges bleibt. Während ihrer Ausbildung verbringen Priester meist mehrere Monate hier, um die Eckpunkte des Überlebens in einer Stadt vermittelt zu bekommen.

Schwalbenburg Bearbeiten

Auf der Grenze zwischen Schwertbach und Eisenpfad liegt ein Handelsposten, dessen Besitzer, ein wohl betuchter Händler, vor einigen Jahrzehnten dem Certuskult beitrat, und wie es Sitte ist, seinen Besitz dem Kult übereignete. Seitdem sind sowohl Kapelle als auch Gaststube der Handelsstation Certus geweiht, und der Ort weithin bekannt als Zentrum der Festlichkeiten in der Wildnis, die letzte große Station vor der Bergüberquerung - oder danach. Bewacht wird die Schwalbenburg von Söldnern, unter denen überraschend viele Zwerge zu finden sind - merkwürdig für einen Kult, der sonst dem Zwergischen Weltbild nicht wirklich entspricht. Manche Zungen munkeln, in geheimen, gut bewachten und nur als vertrauenswürdig bewiesenen Personen zugänglich würden hier neben Certus noch andere Götter verehrt - Götter, für die die Religionsfreiheit in Ferrum nicht mehr gilt.

Ränge Bearbeiten

Die Certuskirche tut sich schwer mit Befehlen und Hierarchie, weswegen es im Kult kaum Ränge im klassischen Sinne gibt. Man tritt dem Kult bei als Novize, indem man sich entweder direkt einem Wanderpriester anschließt, oder an einem Schrein wartet, bis ein Wanderpriester verständigt ist und angekommen ist. Ausbildung in den Schreinen selbst findet nur in sehr seltenen Fällen statt. Novizen werden oft scherzhaft als Küken bezeichnet.

Über dem Rang des Novizen steht der Rang eines Priesters. Ab diesem Rang hat man alle Rechte und Pflichten, die mit dem Rang eines eingesegneten Priesters einhergehen, und profitiert von der Certusfreiheit. Die Priester unterteilen sich grob in zwei Gruppierungen: Schreinpriester, die gerade im Norden oder in größeren Städten einen Schrein und die Gläubigen der Umgebung betreuen, sowie die, die die drei Haupttempel verwalten, auch Singvögel oder an der Küste Seevögel genannt, und Wanderpriester, die Mehrheit des Kultes stellen, und zwischen Städten und den Schreinen pilgern, auch Zugvögel genannt.

Über dem Rang des Priesters steht lediglich der Albatrosfürst, das offizielle Oberhaupt des Kultes. Bestimmt wird dieser durch einen Wettstreit, zuerst in derjenigen Disziplin nach Wahl des amtierenden Fürsten, danach in der des Herausforderers. Sollte der Herausforderer siegen, geht der Titel und Posten an ihn über. Ein jeder Priester des Certus hat das Recht, die Rolle des Herausforders einzunehmen, wann immer er den Weg zur Albatroshalle auf sich nimmt. Der Albatrosfürst reist während seiner Amtszeit nicht oder nur wenig, da er in Absentiam nach ausreichender Wartezeit ohne Rückkehr jederzeit abgesetzt werden kann.

Außerhalb dieser Ränge kann sich jeder Priester Ehrentitel erwerben, die gerne in großer Zahl und Klang vergeben werden, für alle certusgefälligen Taten - Ausnahme ist hier der Titel der Krähe, der denjenigen zukommt, die den Codex gebrochen haben, und dafür des Kultes verwiesen, und an sichtbarer Stelle mit dem Symbol einer Krähe gebrandmarkt wurden.

Symbole, Amtskleidung und Insignien Bearbeiten

Ornat Bearbeiten

Ein Priester des Certus trägt weite Gewänder, ähnlich einer Robe, aber meist Rock und Hemd getrennt. Diese sind gehalten in Weiß, Grau, Braun oder Blau, wenn gefärbt meist verwaschen, und gebunden mit einem Seilgürtel. Darunter wird eine warme Hose getragen, meist mehrfach geflickt, sowie festes Reiseschuhwerk. Auf der Reise tragen die priester des Certus einen Mantel, mit Ärmeln und Kapuze, aus wärmeren und engerem Stoff, in gleichen Farben, ebenfalls geschlossen mit einem Seil. Um die Stirn ist ein Tuch gebunden, blau gefärbt, mit dem Symbol des Certus auf der Stirn versehen. Das Gesamte Gewand ist so reich dekoriert wie möglich, mit Knöpfen, Münzen, und fast immer bunten Stoffstreifen verschiedenster Farben - was immer ein Priester findet und geschenkt bekommt.

Amtsinsignien Bearbeiten

Das Zeichen der Priesterschaft ist ein gesegneter Wanderstab, sehr schlicht und abgesehen von einem darauf aufgenagelten Symbol des Certus an der Spitze in der Dekoration vollständig dem Priester überlassen. Viele machen Marken in den Stab, um die Zahl ihrer Liebschaften zu repräsentieren - oder gleichwertiger Leistungen in anderen Disziplinen. Dabei fehlt jedem zweiten Fünferblock der Strichlist der Querstrich - man zählt in Neunerabschnitten. Der Stab besitzt allerlei Funktionalitäten, die auf einer Reise praktisch sind, beispielsweise als Angel.

Das Zeichen des Albatrosfürsten ist die Federkrone, ein Diadem aus stark gerostetem Stahl, mit Messingbeschlägen in Form jedes heiligen Symbols des Kultes, auf einem gealterten Seidentuch zum schonen der Stirn. In die Krone steckt jeder Albatrosfürst bei seiner Amtsernennung und -bestätigung eine weitere Feder, die er auf seinen Reisen gefunden hat.

Symboliken Bearbeiten

Das Zentrale Symbol des Certus ist ein stilisierter Flügel, getragen an Stirnband und Stab eines jeden Priesters, sowie über der Tür eines jeden Schreines. Weitere Symbole sind Vögel, ein Stiefelpaar (teils mit Flügeln daran) sowie Repräsentationen der Mondphasen. Seltener, und nur unter den Seevögeln sind Wellen und teils Fische als Symbole zu finden.

Certusfreiheit Bearbeiten

Seit Jahrhunderten haben Priester des Certus ein ihnen eigenes Privileg: Die sogenannte Certusfreiheit, legitimisiert durch Edikt 9 im Jahre 264. Da Certus gegen feste Gesetze in einem ortographiagefälligen Sinne steht, alle anderen Kulte aber Gesetze zur Regierung des Landes für notwendig befanden, wurde ein Kompromiss eingeführt. Jedem eingesegneten Priester des Certus wird damit Freiheit von den regulären Gesetzen des Landes garantiert, solange sie den Ehrencodex des Certus mit ihren Taten nicht brechen.

Sollte ein Certuspriester eine Tat begehen, die gegen das Gesetz ist, und bei der Zweifel besteht, ob sie mit dem Codex des Certus vereinbar ist, müssen zwei weitere Priester hinzugezogen werden, um diesen Umstand zu beurteilen, und den Gesetzesbrecher gegebenenfalls des Kultes zu verweisen. Es gibt im allgemeinen wenige Verbrechen, denen der Codex nicht selbst auch einen Riegel vorschiebt - der primäre Gültigkeitsbereich beschränkt sich auf Majestätsbeleidigung. Diese wird auch von Adligen gar nicht erst zur Anklage gebracht, da der Umstand der Certusfreiheit nur allzu gut bekannt ist.

Vor Gericht wurde bisher lediglich einmal erfolgreich die Certusfreiheit erstritten. Ein Priester hatte für eine Gruppe Gesetzesloser priesterlichen Beistand geleistet. Als die Bande für ihre Verbrechen gehängt wurden, konnte ihm selbst keine Tat nachgewiesen werden, die tatsächlich den Codex gebrochen hätte, weshalb er keinerlei Schaden davontrug. Er erhielt den bisher einzigartigen Ehrentitel "Freier".

Verhältnis zu anderen Kulten Bearbeiten

Das Verhältnis der Certuskirche zu den meisten anderen der (ehemals) sieben großen Kirchen ist gespannt.

Mit der der Ortographia streiten sich die Priester regelmäßig, da die Fesseln des Gesetzes dem Gedanken des Certus im Extremsten widersprechen. Edikt 9 nimmt diesem Streit die Schärfe, aber regelmäßig geraten die beiden Kulte aneinander.

Mit der Kirche des Adamas liegt der Streitpunkt um Hierarchie und das Ausüben von Herrschaft - mit Certus' Freiheit nicht vereinbar. Dass die Adamaskirche kürzlich einen starken Einschnitt in die Religionsfreiheit erwirkt hat, tut sein Übriges an dieser Stelle.

Der Konflikt mit der Kirche des Bellus wird über Kriegstreiberei geführt - etwas, was der Certuskult konsequent ablehnt, aber ein Aspekt des Bellus ist. Sekundär steht die Streitfrage im Raum, wie korrekte Seelsorge betrieben werden sollte - die Anstalten der Belluskirche sind dem Certuskult ein Graus.

Die Kirche der Gaia ist seit jeher der Große Konkurrent des Certuskultes um die Herzen der Bevölkerung, da auch sie viele Feste feiert und beim einfachen Volk sehr beliebt ist. Die sehr verschiedenen Auslegungen der Bedeutung des Geschlechtsaktes tragen ihr übriges zu den Spannungen bei, gerade, dass Certuspriester in der Lage und Willens sind, Abtreibungen durchzuführen und Mittel zu diesem Zweck herzustellen.

Im Gegensatz dazu ist die Beziehung zur Sapientiakirche relativ spannungsfrei. Man ist sich oftmals nicht einig, wie und vor allem welches Wissen verbreitet werden sollte, und es steht der Vorwurf im Raum, dass Certus mit dem alchemistischen Teil seines Repertoire das Vergessen zu sehr fördert, aber große Streitpunkte gibt es nicht.

Ebenso ist die Einstellung der Kirche der Magia gegenüber sehr entspannt - ein gewisser Konflikt entsteht, sobald das Thema der Heimlichkeit und Täuschung aufkommt, aber gerade im Vergleich zu den anderen Konflikten ist dies eine sehr sekundäre Sorge. Besonders die Verfolgung und die besondere Rolle, die Certuspriester aufgrund der ihnen zugestandenen Freiheit beim Schutz der Magiapriester haben könnten haben zu einer recht freundlichen Beziehung der beiden Kirchen geführt.